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Foto: dole777 auf Unsplash

Warum ich weiter auf X unterwegs bin

·3 min·

Es gab eine Zeit, ungefähr von 2006 bis 2024, da war die Welt der Kurznachrichtendienste in Ordnung. Auf Twitter trafen sich alle an einem Ort. Dort wurde diskutiert und gestritten, getauscht und gezeigt, woran man gerade arbeitet. Genau das war die ursprüngliche Idee hinter Twitter: der Welt mitteilen, was man gerade tut. Ich finde diese Idee bis heute außerordentlich reizvoll.

Mit der Übernahme durch Elon Musk endete diese Zeit ziemlich abrupt.

Nach Musk zerfiel alles in Bubbles
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Musk polarisierte die Plattform stark, durch sein Auftreten und durch sein Handeln. Sehr schnell entstanden Alternativen: Bluesky, Mastodon und Threads von Meta. Jede dieser Plattformen zog ihr eigenes Publikum an.

Auf X, ehemals Twitter, sind heute eher rechtskonservative und liberale Menschen unterwegs, dazu politisch Interessierte und politische Influencer. Auf Mastodon trifft man eher die Nerds, oft links und progressiv. Auf Bluesky sammelt sich die links-liberale Bubble. Und auf Threads verirren sich jene, die neben Instagram noch einen weiteren Kanal brauchen, um nach Sichtbarkeit zu heischen: eine Art LinkedIn in Form eines Kurznachrichtendienstes.

Warum ich bei X geblieben bin
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Warum bin ich also weiter auf X unterwegs? Dafür gibt es mehrere Gründe.

1. Ich sehe früher, was in der Welt passiert
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Ich habe den Eindruck, dass ich auf X früher und besser sehe, was in der Welt passiert, als auf anderen Plattformen. Das war schon immer eine Stärke von Twitter. Katastrophen und politische Ereignisse werden dort zuerst und in hoher Qualität ausgetauscht. Man findet dort auch Dinge, die in den öffentlich-rechtlichen Medien aus meiner Sicht unterrepräsentiert sind. Man möchte das Volk nicht beunruhigen. Daran ist leider etwas Wahres. Und auf X können Politiker jeder Couleur ihre Meinung kundtun.

2. Die Community Notes funktionieren erstaunlich gut
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Damit komme ich zum zweiten Punkt, der mir an X sehr gut gefällt. X ist die einzige Plattform mit Community Notes. Die Teilnehmer können einen Beitrag selbst einordnen und richtigstellen. Das funktioniert überraschend gut. Selbst Elon Musk bekommt das regelmäßig zu spüren, wenn er Dinge behauptet, die ganz offensichtlich nicht stimmen. Diese Form der kollektiven Korrektur funktioniert aus meiner Sicht deutlich besser als jede staatliche oder privatwirtschaftliche Moderation.

3. Auf X wird kaum zensiert
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Der dritte Punkt ist, dass auf X so gut wie keine Zensur stattfindet. Auch die früher sehr populären Blocklisten wurden entschärft. Es ist auf X kaum möglich, Meinungen zu unterdrücken. Das finde ich überwiegend gut. Meinung ist ein hohes Gut, und eine Demokratie muss Meinung aushalten können. Bis zu einem gewissen Grad natürlich.

Was mich an Bluesky und Mastodon stört
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Genau das vermisse ich bei den anderen. Auf Bluesky finde ich die Blocklisten fürchterlich, in denen sich viele Leute darin gefallen, andere Meinungen von vornherein zu blockieren. So kann kein guter und offener Diskurs entstehen.

Mastodon ist da schon weiter als andere Plattformen, was den öffentlichen Diskurs angeht. Aber auch an Mastodon habe ich Kritik. Je nachdem, auf welchem Server man sich befindet, wird man mehr oder weniger stark moderiert. Das Ganze basiert auf einem freiwilligen Prinzip, und als Nutzer dieses Servers kann man kaum etwas dagegen tun.

Warum ich trotzdem einen eigenen Server betreibe
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Eine Zeit lang hatte ich sogar das Gefühl, selbst moderiert zu werden. Im Nachhinein hat sich das als falsch erwiesen. Trotzdem habe ich meinen eigenen, privaten Mastodon-Server aufgesetzt, damit ich wirklich das schreiben kann, was ich möchte, und mir niemand dazwischenfunkt. Ob meine Beiträge weitergereicht werden, liegt natürlich nicht in meiner Hand. Aber es ist ein gutes Gefühl, selbst moderieren zu können.